Die Spätherbstsonne im Mai ist angenehm. Mir ist noch nicht ganz klar, was ich mehr vermisse…
Die bunten Herbstfarben, Schmuddelwetter und Kamingeruch in der Luft oder die Frühlingsgefühle, die der Mai mit sich bringt.
Seit einem halben Jahr ist alles anders, alles verdreht. Von Freude, über Trauer, Enthusiasmus, Angst, Ruhe, Hektik, Freundschaft, Verliebtheit, bis hin zu Heimweh und Fernweh – mindestens einmal bin ich durch die gesamte Gefühlswelt gereist.
Von Deutschen abstammend bin ich vor fast dreissig Jahren in São Paulo, Brasilien geboren, um nach zehn Jahren aus der pulsierenden Metropole ins beschauliche Dorf in Deutschlands Westen zu ziehen. Achtzehn Jahre lang nannte ich die Bundesrepublik meine Heimat, als mich die Sehnsucht nach Familie, Sonne, Grossstadt und Neuanfang ergriff, ich meine Koffer packte und zurückkehrte – aus dem Land, in dem ich mich oft allein und verloren gefühlt hatte auf die andere Seite der Welt, in mein altes Zuhause, in dem ich glaubte, hinzugehören und endlich herausfinden zu können: In Deutschland war ich die Brasilianerin. Und in Brasilien?
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